Geschichte

Das Carillon der Christianskirche ist das älteste in Deutschland.

Seine Glocken haben ein bewegtes Schicksal hinter sich.
Gegossen 1936 von der Glockengießerfamilie Franz Schilling in Apolda (Thüringen), dort zur Probe gespielt im Juni 1938 von Wilhelm Bender, dem langjährigen Carilloneur und Organisten der Parochialkirche in Berlin, wurden sie anschließend auf den Turm in Hamburg-Ottensen gebracht und mit einem Spieltisch verbunden.


Zum 200jährigen Bestehen der Christiankirche im gleichen Jahr wurde das Carillon eingeweiht und offiziell in Betrieb genommen.
Der 2. Weltkrieg wurde vielen Glocken in Deutschland zum Verhängnis. Sie stürzten mit ihren zerstörten Türmen in die Tiefe und zerschellten. Die größere Zahl aber wurde auf Anordnung der Machthaber abgehängt und zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Auch den Glocken der Christianskirche war dieses Schicksal zugedacht.

Sie wurden 1943 ausgebaut und auf den "Glockenfriedhof" auf der Veddel im Hamburger Hafen gebracht. Hunderte von Glocken lagen hier - teils zerschlagen - und warteten auf ihren Abtransport zur Metallschmelze. Das Kriegsende kam jedoch schneller als erwartet. Die Carillon-Glocken blieben unbeachtet liegen.

Als Besatzungsoffizier war ein Mann nach Deutschland gekommen, der schon 1939 das Ottensener Carillon gespielt hatte: Percival Price, Carilloneur aus Michigan, USA. Er soll als Verbindungsoffizier zu den englischen Militärinstanzen und deutschen Behörden maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die Christianskirche ihre beschlagnahmten Glocken wiederbekam und 1947 ihrer Bestimmung zurückgeben konnte.

Im Gästebuch des Carillons findet sich unter dem 7. März 1949 ein handschriftlicher Eintrag von Percival Price, der das Glockenspiel noch einmal besuchte. Vier Jahre nach Kriegsende also schreibt er: "Laßt die Glocken sprechen von Deutschland - in der Sprache der Musik, die alle Menschen verstehen. Laßt sie sagen, dass Deutschland begonnen hat, der Welt wieder Schönheit zu geben!"

Viele bekannte Carilloneure besuchten in den folgenden Jahren dieses Glockenspiel. Neben inländischen Gästen spielten hier Glockenspieler aus der Schweiz, den Niederlanden, mehrere aus den USA, Frankreich und Belgien.

Auf einen Blick:
Gegossen:
1936
Glockengiesser:
Familie Franz Schilling, Apolda, Thürimgen
Eingeweiht:
1938